Der Neid

Es war einmal ein kleiner Funke Neid, der eines Nachmittags unverhofft auftauchte. Danach war es eine Weile ruhig – erst eine passende Bemerkung liess den Funken aufglimmen und er begann, leicht zu rauchen. Er hatte Lust, Feuer zu fangen, zu leuchten und Funken zu sprühen.

Je mehr über das Thema gesprochen wurde, desto mehr Rauch entstand und irgendwann züngelten die ersten Flämmchen. Der Neid freute sich – so musste es sein! Er stichelte und stachelte, tratschte und lästerte, bis ein ordentliches Feuerchen entstanden war, das so hell leuchtete, das er geblendet die Augen schliessen musste. Er kicherte und guggelte, ach wie war es herrlich, neidisch zu sein und schlecht über seine Mitmenschen zu reden!

Als das Gespräch zu Ende war, fiel der Neid langsam in sich zusammen, er glühte noch eine Weile vor sich hin, das Gesicht von Russ geschwärzt glich er einem Höllenbewohner. Einem von der Sorte, die tagein tagaus schweissgebadet Kohle in die riesigen, glühenden Öfen des Teufels schippen, bis sie Blasen an den Händen haben und immer buckliger werden, bis ihre Nasen fast den Boden berühren.

Nein, der Neid war kein angenehmer Zeitgenosse. Er sass händereibend in seinem Häufchen Asche und wartete auf die nächste Gelegenheit, sein Feuerchen wieder zu entzünden. Bei seinem jetzigen Frauchen passierte das oft, was ihn ungemein freute. Er hatte Glück gehabt – ob Menschen neidisch sind, sei angeboren, hatte er zuletzt in einer der Zeitschriften gelesen, die seine Besitzerin regelmässig am Bahnhofs-Kiosk kaufte. Ha! Er hatte ausgesorgt.

Der Neid schob ein paar extratrockene Holzspäne unter sich und blies hinein, so dass eine grosse Wolke Asche aufstieg. Er nieste und putzte sich lautstark die Nase. Schon bald würde es wieder brennen, sein Feuer. Dann würde er wie Rumpelstilzchen um die Flammen tanzen und sich des Lebens erfreuen. Vielleicht kämen auch die Bosheit und die Eifersucht wieder einmal zu Besuch, das wäre herrlich. Gemeinsam sind wir unschlagbar, kicherte der Neid und liess es noch einmal Asche regnen.