Schwiegermütter – ein Essay

Warum gibt es zwischen Schwiegertöchtern und Schwiegermüttern immer wieder Konflikte? Warum nicht zwischen Schwiegersöhnen und Schwiegervätern? Diese lassen es ganz einfach gar nicht erst so weit kommen – sie trinken ein paar Bier miteinander, bauen gemeinsam den Hasenstall für die Enkeltochter und aus die Maus.

Bei Schwiegermüttern und -töchtern geht es um mehr: Um den Platz innerhalb der Familie. Wie im Tierreich wird dann gekämpft – wobei sich bei Wildtieren wie Steinbock, Hirsch und Reh nur die Männchen Rangkämpfe liefern. Die Weibchen, um deren Gunst  hier gestritten wird, sehen wiederkäuend von einem bequemen Platz aus zu und denken sich ihren Teil.

Gebissen, getreten und gekratzt hingegen wird interessanterweise vor allem bei weiblichen Nutz- und Haustieren. Mastsauen und Hennen, aber auch Meerschweinchen, sind besonders brutal, wenn es darum geht, ihren Platz im Stall zu verteidigen.

Was sagt uns das? Dass Frauen bis aufs Blut böse, rachsüchtig und gemein sein können?
Eine gewagte Theorie. Fest steht: Konflikte zwischen Schwiegertöchtern und -müttern sind schnell hochemotional. Es geht hier nicht nur um den Platz, also die Wichtigkeit innerhalb der Familie, sondern gleichzeitig auch um die Furcht vor dem Verlust von Liebe und Anerkennung. Nicht umsonst beginnen die meisten innerfamiliären Unruhezustände mit der Hochzeit des Sohnemannes oder spätestens bei der Geburt des ersten Enkelkindes.

Ich stelle mir vor, dass es sich für Schwiegermütter so anfühlt, als würden sie ihr Kind an eine andere Frau verlieren. Als wären sie nun nicht mehr die Nummer eins.

Doch: Ein Kind erziehen heisst aus meiner Sicht ständig loszulassen; dieses als Baby zunächst in fremde Betreuung, dann in Kindergarten und Schule, später an Freunde, Vereine etc. zu übergeben. Und irgendwann an eine Partnerin oder einen Partner. Punkt. Nicht einfach, aber das gehört dazu. Alles andere wäre ungerecht.

Ein weiterer Streitpunkt sind oft Erziehungsfragen. Doch dass das Kind beim Grosi andere Sachen darf als zu Hause, finde ich in Ordnung. Schwamm drüber. Sofern dies andersherum auch gilt, natürlich.

Schwierig wird es dann, wenn der Partner gegenüber den eigenen Eltern keine Position bezieht. Denn dies hilft ungemein, wenn der Haussegen beim weiblichen Teil der Familie schief hängt. Offenbar ist es für manche Söhne schwierig, den Eltern Widerworte zu geben respektive sie in ihre Schranken zu verweisen.

Letztlich geht es darum, das grosse Ganze zu sehen: Was wünsche ich mir für mich und meine Familie? Welche Beziehung möchte ich zu den Grosseltern? Um welchen Preis? Wo kann ich Kompromisse schliessen und wo nicht?

Wichtig ist, bei sich selbst zu bleiben. Auch wenn andere es so oder ganz anders machen und in Fritz & Fränzi steht, welche Fehler und Fettnäpfchen man als Schwiegertochter unbedingt vermeiden sollte.

Bleibt zu hoffen, dass ich eine passable Schwiegermutter abgebe, sofern ich in den Genuss komme – bei drei Töchtern bin ich, statistisch gesehen, schon mal fein raus 🙂