Über das Küssen

Der Kuss auf den Mund ist den Liebenden vorbehalten. Meine Kinder, meine Schwester, meine Eltern oder meine beste Freundin würde ich niemals auf den Mund küssen.

In anderen Kulturkreisen, aber auch in Familien mit ähnlich sozialem Hintergrund beobachte ich jedoch immer wieder, dass das Sich-auf-den-Mund-Küssen zum normalen Abschiedsritual gehört, vor allem zwischen Müttern und Kindern.

Ich frage mich: Wann hören sie damit auf? Wenn das Kind in die Pubertät kommt und die Eltern abartig findet? Oder hören sie gar nicht damit auf? Schreckliche Vorstellung.

Auf einer Party beobachtete eine Freundin, wie der Vater seinem elfjährigen Sohn einen Zungenkuss gab. Ist das Pädophilie?

Wo genau ist die Grenze? Dort, wo man sie selber zieht? Wann wird aus einem harmlosen Küsschen eine übergriffige Handlung?

Und: Bin ich prüde und verklemmt, weil ich das Mund-zu-Mund-Geküsse innerhalb der Familie nicht mag? Jedesmal zusammenzucke, wenn ich es in der Öffentlichkeit beobachte?

Gut, ich finde es auch eklig, sich von einem Hund im Gesicht, speziell am Mund, abschlabbern zu lassen (das geht nicht allen so).

Die Lippen zu spitzen und – meistens leicht feucht – die Haut seiner Mitmenschen an unterschiedlichen Orten laut schmatzend zu berühren, scheint eine instinktive Handlung zu sein, wenn man jemanden liebt. Auch Tiere tun es teilweise; wenn auch meist nur aus dem Grund, anderen Nahrung aus dem Mund zu klauen oder dem Rivalen zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Letztlich hat Küssen also auch ein wenig mit Macht zu tun. Daher ist es umso wichtiger: Wehrt euch gegen die Feuchtitäten! Du willst nicht geküsst werden? Sag es, zeig es, trau dich! Das gilt besonders für Frauen und Kinder.

Amen.